Stabbojen, universelle Bojensysteme

Es gibt Situationen am Wasser, wo die Verwendung von Bojen zweckmäßig erscheint. Besonders dort, wo wir keine Anhaltspunkte zum werfen haben, wir punktgenau auf dem Hotspot fischen müssen oder wir auf weite Distanzen fischen. Es gibt verschiedene Systeme von Bojen, jedoch haben die meisten einen riesengroßen Nachteil: Sie sind vom Gewässergrund bis zur Oberfläche mit einem Seil, einer monofilen oder geflochten Schnur etc verbunden. Dies kann sich beim Drill sehr nachteilig auswirken. Der Fisch beisst und flüchtet. Wir drillen den Fisch und er zieht genau auf unsere Boje hin. 

Die Hauptschnur kommt mit der Verbindungsschnur der Boje in Kontakt und der Fisch schwimmt verheddert sich darin. Daraus resultierend kommt es unweigerlich zum Crash. Wir bewegen das Bojensystem und ziehen im schlimmsten Fall die Boje es beim Drill mit. Wenn dies passiert, dann wird in den meisten Fällen der Fisch verloren sein. Es gibt jedoch ein Bojensystem, dass so einer Situation standhält sowie die Hauptschnur abgleiten lässt. Dieses System heißt Stabboje. Bei der Stabboje wird die Hauptschnur der Angel nicht in die Bojenverbindungsschnur regelrecht reingedrückt, sondern sie gleitet am Stab sachte nach oben. Der Stab wird beim Schnurdruck seitlich in das Wasser gedrückt und die Schnur gleitet immer weiter nach oben, bis sich die Schnur am oberen Stück der Boje selbst wieder befreit. Durch dieses System wird der Fischverlust praktisch auf null gesetzt.

Hier eine Anleitung zum Bau einer Stabboje. Meine Stabbojen lassen sich bis zu einer Wassertiefe von 9 Meter verwenden, jedoch kann man diese, je nach Gutdünken, weiter verlängern.

Materialien aus dem Baumarkt

  1. Kunststoffpanzerrohre (Evilohnrohr), Stangen mit einer Länge von 3m, hellgrau, mit angeformter Muffe, 16 oder 20 mm Durchmesser (meine Rohre haben einen Durchmesser von 16 mm).
  2. Muffen 16 oder 20mm Durchmesser
  3. Gewicht von mindestens 1000 Gramm mit angeschweißtem Zapfen. Mein Gewicht ist eine Metallkugel.
  4. Netzgarn oder eine Schnur in wirklich abriebfestem, nicht verrottbaren Material.
  5. Ca. 20 cm Gartenschlauch, welcher vom Durchmesser angepasst auf die Rohre wird.
  6. Wasserfestes Isolierband
  7. Silikon
  8. Korken von Flaschen. Am besten die Kunststoffkorken von Weinflaschen
  9. Selbstklebende, reflektierendes Material aus der Spinnfischerei, gelb, rot.
  10. Knicklichthalterung aus der Knicklichtpackung.
  11. Wasserfester Kleber (2 Komponenten-Epoxidharzkleber)
  12. Eine Schraubenmutter

Montageanleitung

Man schneide die Panzerrohre in die gewünschte Länge. Meine Längen variieren von 50 cm, 100 cm, 150 cm und 200 cm. Die Korken werden auf den Innendurchmesser der Rohre zugeschnitten und mittels Kleber in die Öffnungen etwas tiefer reingedrückt. Danach füllt man die noch vorhandene Öffnung mit Silikon aus. Die Muffen werden mittels Kleber auf die Stangen geschoben und mit wasserfestem Isolierband kurz umwickelt. Auf das Endstück, welches aus dem Wasser ragt (kurzes Rohr mit 50 cm), wird ebenso ein Korkstopfen eingeklebt, jedoch nur bis zum Rand reingedrückt. Vorher wird ein Loch in den Korkenstopfen gebohrt und danach die Knicklichthalterung eingeklebt. Hinterher wird die Öffnung mittels Isolierband zusätzlich abgedichtet und fixiert. Die Reflektoren werden zugeschnitten und auf das Rohr in unterschiedlichen Farben aufgeklebt (rot, gelb, rot, gelb, usw.). Man bedenke, der Oberteil sollte ca. 30 – 40 cm aus dem Wasser ragen. Wenn dies vollbracht ist, dann geht man zum unteren Teil der Boje über. Ein Korkstopfen wird durchbohrt, die Netzgarnschnur durchgezogen und mit der Schraubenmutter verknotet. Danach wird viel Kleber reingespritzt, den Korkstopfen mit der Schraubenmutter ebenfalls mit Kleber benetzen, reindrücken und wieder Kleber reinschmieren und trocknen lassen. Danach wird der Gartenschlauch so weit gedehnt, sodass er, mit Kleber versehen, auf dem Rohr ca. 3 cm aufgezogen werden kann. Danach wird ein kurzer Teil des Gartenschlauchstücks mit Klebeband umwickelt bis man ein paar Zentimeter über dem Rohr angelangt ist. Vorher natürlich das Netzgarn durch den Schlauch ziehen und mit Silikon etwas ausfüllen. Wenn dies getrocknet ist, wird die Schnur auf dem Metallstück angeknotet. Am besten ist, wenn man sich auf dem Eisenteil einen runden, länglichen Zapfen, im Durchmesser etwas größer als der Gartenschlauch, anschweißen lässt. Natürlich muss auf dem Zapfen eine Öse fixiert werden. Darauf wird nach die Verbindungsschnur angebunden. Danach werden das Schlauchinnere und der Zapfen mit Kleber beschmiert und auf dem Metallstab aufgeschoben (natürlich muss der Schlauch vorher wieder etwas aufgedehnt werden). Das Ganze ist als zusätzliche Sicherung gedacht. Wenn dies vollbracht ist, wird zur Fixierung des Schlauches am Gewicht noch eine Schlauchsicherung befestigt. Ich habe das Metallgewicht hinterher noch schwarz angestrichen, jedoch ist dies reine Geschmacksache. Hier ein paar Bilder meiner Stabboje.

Wenn dies alles geschehen ist, ist die Stabboje einsatzbereit. Eines ist noch wichtig: Wenn die Tiefe der zu befischenden Stelle ausgelotet wurde und die Teile der Boje miteinander verbunden sind, dann muss man die Steckverbindungen mit Isolier- oder Klebeband sichern. Das ist sehr wichtig, sonst bleiben beim späteren einholen der Bojen die Teile durch auseinander ziehen am Grunde des Gewässers stehen. Wer so ein Teil in Gebrauch hat, der wird sie mit der Zeit schätzen lernen, besonders dann, wenn er durch eine Boje keine Fische mehr verliert.

Viel Spaß beim Nachbauen.

Wolfgang Rusznak